#Buch: "Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch" von Kristina Lunz


Heute möchte ich dir ein Buch über feministische Außenpolitik vorstellen.

Das Buch ist im Frühjahr 2022 zu einem passenden Zeitpunkt erschienen. Zuvor haben wir uns im Privaten kaum mit Themen wie z.B. das Auf- und Abrüsten der Bundeswehr auseinandergesetzt.


Politik und auch Außenpolitik kann unterschiedlich gestaltet werden. Überwiegend ist Politik jedoch männlich geprägt, was man beispielsweise ganz leicht feststellen kann, indem man die Tagesschau anschaut und die Teilnehmer:innen der Konferenzen und Tagungen betrachtet.



Im Buch "Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch" von der Autorin Kristina Lunz geht es unter anderem, um die Historie der deutschen und internationalen Außenpolitik. Sie erklärt, warum wir heute so handeln, wie wir handeln und wie es sich auf unsere Gesellschaft auswirkt.


Den Status Quo zu hinterfragen ist nicht immer leicht und so schildert die Autorin am Anfang des Buches, dass sie für ihre Fragen, Recherchen und Meinungen teilweise sehr stark angefeindet wird. Im Buch nimmt sie auf vielen Seiten Bezug darauf, warum sich durch Feminismus einige Menschen, insbesondere Männer, angegriffen fühlen. Kristina Lunz erklärt, warum es so wichtig ist, Frauen in politische Entscheidungen einzubeziehen und hinterlegt diese Thesen mit verschiedenen (weltweit recherchierten) Quellen.


Sie erklärt warum das Patriarchat hauptsächlich weißen, privilegierten Männern dient und was passieren muss, um auch Frauen, People of Color und Angehörige der LGBTQI*-Community* mehr in das System einzubinden, statt sie durch die bestehenden Strukturen auszugrenzen oder zu gefährden.


Schweden war beispielsweise das erste Land, welches sich für eine feministische Außenpolitik entschied. Heute gibt es immer mehr Länder, die (zumindest) einen feministischen Ansatz in der (Außen-) Politik verfolgen.

Auch Deutschland hat feministische Außenpolitik auf der Agenda.


Bereits im Jahr 1915 versammelten sich Frauen in Den Haag beim internationalen Frauenkongress, um die Ursachen von Konflikten und Gewalt zu analysieren und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Die Versammlungen der Männer waren für Frauen Tabu, wodurch sie ihre Ideen und Bedenken dort nicht einbringen konnten. Sie durften an den Verhandlungen nicht teilnehmen, "da sie sich für zu viel Frieden einsetzen würden".**

Bis heute sind Frauen bei Friedensverhandlungen massiv unterrepräsentiert. Kristina Lunz erklärt in ihrem Buch warum das so ist und welche Ansätze und Forderungen es gibt, um dies zu ändern.


Es muss sich einiges ändern und so schreibt die Autorin auch: "...Es genügt nicht, Frauen oder andere politische Minderheiten lediglich an einen Tisch zu bringen. Der Tisch muss zerschlagen werden und ein neuer gebaut werden. Inhalte und Agenden müssen erneuert werden. Es muss ein Umdenken dahingehend stattfinden, wie Friedensverhandlungen gestaltet werden, wer alles daran teilnehmen darf (nicht nur bezogen auf das Geschlecht, sondern beispielsweise auch auf den Status - ob also bloß die Regierung oder auch zivilgesellschaftliche Akteur:innen mitwirken dürfen) oder welche Themen besprochen werden."***


Das Buch hat mich in vielerlei Hinsicht erstaunt und auch aufgeklärt. Zuvor hatte ich mich mit dieser Thematik nur am Rande auseinandergesetzt und viele unserer gelebten und bekannten Systeme innerhalb der Politik und Gesellschaft auch nicht hinterfragt.


Waffen gelten beispielsweise als Sicherheit. Doch wen schützen sie wirklich? Schützen sie die Landesgrenze oder wirklich die Menschenleben? Diese und viele weitere Fragen haben mich nachdenklich gestimmt.


Das Buch hat mir zudem nochmals bestätigt, dass wir im einzelnen nur bedingte Änderungen bewirken können. Die großen Änderungen müssen in unserem staatlichen System erfolgen. Hierzu möchte ich Kristina Lunz gerne zitieren:


"Empowerment-Ansätze aber reichen nicht aus, um einen systemischen Wandel zu bewirken und neue Machtstrukturen zu schaffen. Denn sie suggerieren, Frauen müssten einfach "besser" werden und lediglich fordern, dass sie in soziopolitische Systeme eingegliedert werden. Es ist notwendig, in die Bewegung selbst zu investieren, um den Raum für systemverändernde Arbeit zu schaffen. Denn: Niemand sonst ist so wirksam wie die soziale Bewegungen."****


Bezogen auf die Arbeitswelt oder auch auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, konnte ich in im Buch immer wieder Parallelen erkennen. Die Angestellte oder Mutter im Einzelnen hat wenig Möglichkeiten, um etwas an ihrer Situation zu ändern. Die Änderungen müssen in der Politik beschlossen werden, damit sich unser System ändern kann. Wenn beispielsweise Kinderbetreuungsmöglichkeiten fehlen, hat eine Familie nur sehr wenig Möglichkeiten, die Kinderbetreuung gerecht untereinander aufzuteilen. Die Möglichkeiten müssen an anderer Stelle vorgetragen werden, gefordert werden und dann auch dort beschlossen und genehmigt werden. Wir können am besten auf diese Entscheidungen einwirken, indem wir Ungleichheiten aufdecken, demonstrieren, uns und andere informieren und vor allem in dem wir wählen gehen!


Fazit


Viele der Themen des Buches waren mir neu, ein paar kannte ich schon. Ich kann das Buch jedoch sowohl Frauen, als auch Männern empfehlen. (Außen-) Politik betrifft uns alle und auch Feminismus betrifft schon lange nicht mehr nur Frauen. Kristina Lunz stellt in ihrem Buch viele zukunftsweisende Fragestellungen und Ideen vor und leistet mit ihrer (Aufklärungs-) Arbeit einen großen und wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft.

Mein Fazit: Auch wenn sich das Buch nicht ganz so leicht liest, ist es eine absolute Leseempfehlung für Männer und Frauen.




Quellen:

*LGBTQI*: steht für Lesbian, Gay, Bisexuell, Trans, Queer und Intersexuell und weitere Identitäten.

** Zitat "Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch" von Kristina Lunz, Seite 133.

*** Zitat "Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch" von Kristina Lunz, Seite 137.

**** Zitat "Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch" von Kristina Lunz, Seite 188. (Quelle im Buch: Girard: "Philanthropy for the Women's Movement, Not Just 'Empowerment'".)

Bild: eigenes Bild.

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